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Lesedauer: 5 Min.

Jeder chirurgische Eingriff endet mit einem entscheidenden Schritt: dem sicheren Verschluss der Wunde. Und genau dann, am Ende eines oft fordernden Eingriffs, ist nochmal Konzentration gefragt. Denn die Naht muss sicher halten und soll ein möglichst schönes kosmetisches Ergebnis liefern.
Wundverschluss ist nicht einfach Routine und unterliegt oft schwierigen Bedingungen wie Zeitdruck, komplexen Gewebeverhältnissen oder schwieriger Zugänglichkeit.
Hier kann selbstsicherndes Nahtmaterial, auch knotenloses Nahtmaterial oder Barbed Suture genannt, einige Vorteile bringen. Die chirurgischen Fäden mit mikroskopisch feinen Widerhaken, die sich selbst im Gewebe halten, sollen Ihnen OP-Zeit sparen, die Wundränder sicher fixieren und die Wundheilung verbessern. In diesem Beitrag beleuchten wir die knotenlose Nahttechnik genau.

Was sind die Vorteile des selbstsichernden Nahtmaterials?

Nahtmaterialien wie Stratafix von Ethicon, V-Lock von Medtronic oder Quill von B.Braun haben mikroskopisch kleine Widerhaken am Faden. Diese verhindern das Zurückrutschen im Gewebe und verteilen die Spannung gleichmäßig über die gesamte Nahtlänge. Daraus ergeben sich einige Vorteile:
  • Sicherer Wundverschluss: Mit knotenlosen Wundverschlusssystemen gibt es kein Risiko, dass die Naht durch Knoteninsuffizienzen aufgeht.
  • Schnelleres Arbeiten: Sie sparen wertvolle Minuten, was gerade bei komplexen und zeitkritischen Operationen hilfreich ist. 
  • Effizienterer Arbeitsablauf: Es sind weniger Schritte und Werkzeuge erforderlich, sodass der Wundverschluss deutlich effizienter ist und Sie sich mehr auf die Präzision konzentrieren können.

Gibt es Risiken oder Nachteile?

Alle wichtigen Informationen zu Kontraindikationen und Warnhinweisen, also alles, was Sie für eine sichere und richtige Anwendung wissen sollten, finden Sie in der Gebrauchsanweisung (IFU) des Nahtmaterials.

Knotenlose vs. klassische Nahttechniken

Wenn wir über klassische Nahttechniken sprechen, meinen wir zwei Varianten: die Einzelknopfnaht und die fortlaufende Naht – beide mit konventionellem Nahtmaterial. 

Eine Einzelknopfnaht besteht aus kurzen und einzeln verknoteten Nähten. Sie ist besonders stabil, weil beim Versagen eines Knotens die übrigen Nähte die Wundränder weiterhin zusammenhalten. Die Nachteile: Die Spannungsverteilung kann ungleichmäßig sein und das Setzen der vielen einzelnen Knoten kostet Zeit.

Die fortlaufende Naht wird nur am Anfang und Ende verknotet und ist damit deutlich schneller gelegt. Sie birgt jedoch das Risiko, dass bei einem Defekt gleich ein ganzer Nahtabschnitt aufgeht. Außerdem ist für diese Technik in der Regel ein Assistent nötig, der die Wundränder korrekt adaptiert.

Die knotenlose Nahttechnik mit selbstsicherndem Nahtmaterial verbindet den Zeitvorteil einer fortlaufenden Naht mit der Stabilität einer Einzelknopfnaht. Das Ergebnis ist ein effizienter und sicherer Wundverschluss.

Wie verändert sich die Nahttechnik mit selbstsicherndem Nahtmaterial? 

Die Nahtechnik mit selbstsicherndem Nahtmaterial gleicht der gewohnten fortlaufenden Naht, wobei auf die abschließende Absicherung der Naht mittels Knoten verzichtet wird. Bei Inzisionen, welche normalerweise in der Einzelknopf-Technik verschlossen werden, ist die Umstellung größer. Durch den Einsatz eines selbstsichernden Fadens verschließen Sie diese ebenfalls im fortlaufenden Nahtmuster. Sie gewinnen Zeit, ohne einen Kompromiss in Punkto Sicherheit eingehen zu müssen.

Wie wird das Nahtende gesichert, wenn kein Knoten erforderlich ist? 

Je nachdem, welches Nahtmaterial eingesetzt wird, unterscheidet sich die Handhabung.
Stratafix Spiral wird zum Beispiel zu Beginn der Naht durch eine Schlaufe und am Ende durch Rückstiche bzw. einen tiefen Ausstich gesichert. Das wird im folgenden Video gut veranschaulicht.

STRATAFIX™ Spiral PDS™ and Monocryl™ Plus Produktübersicht | J&J MedTech

YouTube-Video

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Bei Stratafix Symmetric beginnen Sie mit einem Rückstich im intakten Gewebe, entgegengesetzt der Schnittrichtung. Anschließend wird das Nahtmaterial vollständig durch das Gewebe gezogen, sodass sich die Fixierungslasche anlegt. Nachdem diese mit einer Unterstechung gesichert wurde, können Sie die Wunde mit einem fortlaufenden Nahtmuster verschließen. Am Ende der Inzision führen Sie zwei Stiche in Gegenrichtung Ihrer Naht aus und schneiden den Faden bündig mit der Gewebeoberfläche ab.


Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Wundverschluss mit STRATAFIX Symmetric in der offenen Chirurgie | J&J MedTech

YouTube-Video

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Ist für die Anwendung der knotenlosen Nahttechnik eine Schulung erforderlich?

Beim erstmaligen Einsatz des selbstsichernden Nahtmaterials muss jemand mit Produktkenntnis anwesend sein, da Fehler unterlaufen können. Idealerweise erfolgt eine Erläuterung der Nahttechnik über den Außendienst des Nahtmaterial-Herstellers. Wir unterstützen Sie gerne bei der Kontaktaufnahme und freuen uns über Ihre Anfrage.


Typische Einsatzbereiche des selbstsichernden Nahtmaterials

Historisch wurde knotenloses Nahtmaterial zuerst in der plastischen Chirurgie eingesetzt, wo es bis heute häufig zum Einsatz kommt. Beispielsweise beim Hautverschluss in der Brustchirurgie sowie bei der Abdominoplastik.

Darüber hinaus wird es insbesondere bei laparoskopischen Eingriffen eingesetzt, da Knotentechniken bei diesem Verfahren besonders herausfordernd sind. Auch bei offenen, langstreckigen Inzisionen, welche typischerweise mit der Einzelknopftechnik verschlossen werden, bieten selbstsichernde Nahtmaterialien, wie das Stratafix Symmetric Vorteile. 


Wie verhält sich selbstsicherndes Nahtmaterial bei spannungsreichen Wunden? 

Bei Wundverschlüssen, die unter hoher Spannung stehen, sind Nahtmaterialien mit hoher Reißfestigkeit gefragt. Bei den meisten selbstsichernden Nahtmaterialien entstehen die Widerhaken dadurch, dass in einen monofilen Faden winzige, exakt ausgerichtete Schnitte eingebracht werden. Das führt naturgemäß dazu, dass die ursprüngliche Reißfestigkeit des Fadens etwas reduziert wird. Für viele Einsatzbereiche ist die verbleibende Reißfestigkeit allerdings völlig ausreichend.

Wenn aber eine besonders hohe Spannung auf der Naht liegt, stellt STRATAFIX Symmetric PDS Plus die bislang einzige zuverlässige Lösung dar. Es wurde speziell für Bereiche mit hoher Spannung, wie zum Beispiel beim Bauchdeckenverschluss entwickelt und bietet eine überlegene Haltekraft. Durch ein Stanzverfahren sind die Widerhaken im Hauptfaden integriert, ohne dass Einschnitte die Haltekraft beeinträchtigen.


Gibt es qualitative Unterschiede zwischen den Nahtmaterialien verschiedener Hersteller?

Unterschiede finden sich zum Beispiel im Winkel und in der Anzahl der Widerhaken sowie in den Zulassungen für bestimmte Anwendungsbereiche. Solche Details beeinflussen nicht nur die Handhabung, sondern auch die Haltekraft und die Sicherheit des Wundverschlusses.


Selbstsicherndes Nahtmaterial: Eine Produktübersicht am Beispiel Stratafix

Stratafix eignet sich als selbstsicherndes Nahtmaterial für die allgemeine Adaptation unterschiedlicher Gewebeschichten. Es ist in nicht-resorbierbaren Ausführungen (Polypropylen) sowie in resorbierbaren Ausführungen mit zwei verschiedenen Polymeren und unterschiedlichen Resorptionsprofilen erhältlich. Es gibt drei Varianten, die sich in der Anordnung der Widerhaken am Faden unterscheiden:


Stratafix Spiral, unidirektional


Die Widerhaken sind hier spiralförmig in eine Richtung um den Faden herum angeordnet. Diese Variante eignet sich für den Hautverschluss, für den subkutanen Verschluss, für Organe und für die Adaptation von Weichgewebe. 

Der Wundverschluss beginnt an einem Ende der Inzision wie bei einer traditionellen Wundverschlusstechnik. Unidirektionale Varianten haben am Fadenende eine justierbare Fixationsschlaufe, die das Arbeiten bei laparoskopischen Eingriffen deutlich erleichtert. Auch in der offenen Chirurgie bietet diese Variante zusätzliche Konsistenz und Effizienz für Haut und subkutanes Gewebe.


Stratafix Spiral, bidirektional

Bei der bidirektionalen Variante laufen die Widerhaken in entgegengesetzter Richtung von der Mitte zu den Nadeln an jedem Ende.

Der Wundverschluss und die Spannungskontrolle starten von der Mitte der Inzision. Diese Variante wird unter schwierigen Bedingungen wie große, offene, unregelmäßige Wunden eingesetzt. Zum Beispiel bei der Abdominoplastik, Myomektomie oder Trauma.



Stratafix Symmetric, unidirektional

Die symmetrische Variante besitzt an beiden Seiten des Fadens spiegelbildlich angeordnete Widerhaken und eignet sich für Bereiche mit hoher Spannung, wie zum Beispiel den Faszienverschluss. Häufig wird dieses Nahtmaterial bei Bauchdeckenplastiken, Knie- und Hüft TEP Operationen verwendet.

Das STRATAFIX™ Symmetric PDS™ Plus Nahtsystem ist bislang das einzige selbstsichernde Nahtmaterial, welches für Bereiche mit hoher Spannung, wie Faszien, zugelassen ist.



Fazit

Die Einführung knotenfreier, selbstsichernder Nahttechnologien mit erhöhter Stabilität markiert einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung chirurgischer Nähte. Durch effiziente Handhabung, gleichmäßige Kraftverteilung und eine deutliche Zeitersparnis gegenüber herkömmlichen Nahtmaterialien, stellen diese bei minimalinvasiven als auch bei offenen Eingriffen eine attraktive Alternative zum klassischen Nahtmaterial dar.

Weiterführende Informationen:


Prospective analysis of STRATAFIX™ symmetric PDS plus suture for fascial closure in spinal surgery: a pilot study. Kürzere Wundverschlusszeit in der thorakolumbalen Wirbelsäulenchirurgie ohne erhöhtes Komplikationsrisiko.


Überblick zu Design und Leistung von STRATAFIX™ Symmetric PDS™ Plus in der Gynäkologie.

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